Digitalisierung

Digitalisierung: Wie das Umwandeln von Informationen zum Wandel einer Gesellschaft führt

Die Auseinandersetzung mit der Bedeutung und den Auswirkungen der Digitalisierung ist eines der prominenten Themen der letzten Jahrzehnte und wird es vermutlich auch für die kommenden bleiben. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff? Wo liegen die Ursprünge und wie ist er in die heutige gesellschaftliche Diskussion einzuordnen? Digitalisierung einfach erklärt aus der Sicht eines Bildungsunternehmens, das sich seit über 50 Jahren mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen befasst.

Was genau Digitalisierung?

Für den Begriff Digitalisierung existieren viele Definitionen. Die Erklärung hängt maßgeblich davon ab, wie weit er gefasst und verstanden wird.

Schauen wir zunächst auf die Wortbedeutung, sprich die Herkunft des Begriffes: Das Wort „digital“ wird meist als Gegenstück zu „analog“ verwendet. Auch das Wort „analog“ besitzt mehrere Bedeutungen, beschreibt aber im Gegensatz zum Digitalen einen materiell vorhandenen Wert. Dagegen kommt das Wort „digitus“ ursprünglich aus dem Lateinischen und später mit „digit“ aus dem Englischen und beschreibt die Verwendung der Finger beim Zählen, also die Darstellung von analogen (physischen) Gegenständen oder Personen in digitalen (in Ziffern übersetzten) Werten. Somit lässt sich das Analoge im weitesten Sinne auch als das „Originale“ bezeichnen, welches durch „Digitalisierung“ in eine virtuelle Form übersetzt und mittels technischer Geräte gespeichert, kopiert und übertragen werden kann.

Während analoge Signale (beispielsweise ein Vortrag im Klassenraum) beliebig genaue Informationen enthalten, so sind digitale Signale (eine Audioaufnahme dieses Vortrags) auf konkrete Werte ohne Zwischenschritte festgelegt. Dieses Vorgehen bedeutet eigentlich einen Qualitätsverlust, wird aber vom Menschen oft nicht als solcher wahrgenommen, da die Unterschiede zu gering sind. Dafür bleibt die digitale Übersetzung immer gleich, während das analoge Original mit der Zeit an Qualität verlieren kann (beispielsweise ein gedrucktes Buch). Letztendlich kommt es auf den Nutzen an, den wir uns vom Analogen oder Digitalen versprechen. Ein in Echtzeit mit allen Sinnen erlebter Spaziergang am Strand bietet andere Vorteile als ein technisches Analyse-Tool zum Optimieren von Produktionsabläufen.

Digitale Transformation

Vom Kleinen zum Großen: Digitaler Wandel und digitale Transformation

Weiter gefasst wird der Begriff Digitalisierung häufig mit dem digitalen Wandel oder der digitalen Transformation gleichgesetzt. Beide Begriffe beschreiben die Auswirkung der Digitalisierung auf gesellschaftliche Prozesse, unter anderem auf die Wirtschafts- und Arbeitswelt. In dem Zusammenhang tauchen weitere Schlagworte auf wie zum Beispiel:

  • Digitalisierung 4.0
  • Arbeit 4.0
  • Arbeitswelt 4.0
  • Industrie 4.0

Was aber bedeutet die Endung „4.0“? Laut dem Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.[1] liegt der Ursprung einerseits in einer Weiterentwicklung der zweiten Generation des Internets, dem „Web 2.0“. Dieses zeichnet sich durch interaktive und kollaborative Angebote aus und ermöglicht den Nutzern, sich als „Prosumenten“ bei der Erstellung und Weiterentwicklung von Inhalten aktiv zu beteiligen. Beispiele für solche Angebote sind:

  • Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram, Pinterest, YouTube, LinkedIn, XING oder Snapchat
  • Wissensplattformen wie Wikipedia
  • Blogs oder Online-Magazine

Andererseits spielt der Begriff auf die sogenannte vierte industrielle Revolution an. Diese beschreibt die aktuellste Phase der Auswirkung neuer Erfindungen auf die industrielle Entwicklung. Die einzelnen Phasen lassen sich so grob zusammenfassen:

  1. Industrielle Revolution: Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert
  2. Industrielle Revolution: Nutzung von Elektrizität als Antriebskraft für die Automatisierung von Produktionsprozessen hin zur Massenproduktion im 19. Jahrhundert
  3. Industrielle Revolution: Entwicklung der ersten Computer und Integration von IT-Systemen für die immer stärkere Automatisierung der Produktion im 20. Jahrhundert
  4. Industrielle Revolution: Digitale Vernetzung von IT-Systemen für eine Optimierung von Produktions- und Geschäftsprozessen seit dem Ende des 20. Jahrhunderts bis heute

Digitalisierung in Deutschland: Schöne neue Arbeitswelt 4.0?

Die Digitalisierung ist ein globaler Prozess, der sich über Staatsgrenzen hinwegsetzt. Dadurch ergeben sich verschiedene Vor- und Nachteile:

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Vorteile der Digitalisierung

  •  Möglichkeit des Daten- und Informationsaustausches von Mensch zu Maschine oder von Maschine zu Maschine unabhängig von Zeit und Ort (digitale Vernetzung)
  • Möglichkeit der schnelleren und flexibleren Verarbeitung von Daten
  • Möglichkeit der Fehlerreduktion, da die Daten auch beim Kopieren und Weiterverbreiten gleich bleiben
  • Flexibilisierung von Arbeitsmodellen (Homeoffice)
schnellere, flexiblere und effizientere Gestaltung von Produktions- und Arbeitsprozessen, Optimierung des Wissensaustausches und der Wissensgenese

Nachteile der Digitalisierung

  • Daten und IT-Systeme bieten eine Angriffsfläche für Cyberkriminalität und müssen hinreichend vor Missbrauch geschützt werden
  • Zunehmende Geschwindigkeit der Entwicklung neuer Technologien erfordert die kontinuierliche Aneignung neuen Wissens (lebenslanges Lernen)
  • Die Flexibilisierung von Geschäftsprozessen erfordert eine flexiblere und dynamischere Arbeitsweise (agiles Mindset)
  • Automatisierte Technologien können menschliche Arbeitskraft zunehmend ersetzen und erfordern eine Um- oder Neuqualifizierung von Beschäftigten
Beantwortung ethischer Fragestellungen und sozialverträgliche Gestaltung gesellschaftlicher Anpassungsprozesse

Mit dem digitalen Strukturwandel geht häufig die Angst einher, dass viele Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen, da Menschen zunehmend durch Computer oder computergesteuerte Maschinen ersetzt werden. Laut einer OECD-Studie betrifft dies sogar jeden fünften deutschen Job.[2] Weitere Hinweise liefert eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Demnach ist ein Großteil der Beschäftigten in Deutschland mit 21,5 Prozent im verarbeitenden Gewerbe tätig, wovon 53,7 Prozent in einem Beruf mit hohem Substituierbarkeitspotenzial arbeiten. Bei der Betrachtung einzelner Berufsgruppen wird ein hohes Substituierbarkeitspotenzial vor allem für Fertigungs- und fertigungstechnische Berufe, unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe (z. B. Rechnungswesen oder öffentliche Verwaltung), Berufe in Unternehmensführung und -organisation sowie in Verkehrs- und Logistikberufen festgestellt.

Industrie 4.0Gleichzeitig wird aber betont, dass die Investition in neue Technologien für Unternehmen nicht allein von der technischen Machbarkeit abhängt, sondern maßgeblich eine betriebswirtschaftliche Entscheidung ist. Besonders kleine und mittlere Unternehmen werden eine technische Umrüstung genau abwägen, sofern sie dadurch keine schnelle und sichere Umsatzsteigerung erwarten können. Zusätzlich entstehen mit dem Einsatz neuer Technologien auch neue Arbeitsplätze, denn diese Technologien müssen gesteuert, überwacht und weiterentwickelt werden. Berücksichtigt wird zudem, dass vorhandene Substituierbarkeitspotenziale nicht zwingend ausgeschöpft werden, da bestimmten Produkten oder Dienstleistungen eine höhere Qualität zugeschrieben wird, wenn sie weiterhin durch menschliche Arbeit entstehen (beispielsweise eine ärztliche Untersuchung).[3]

Digitalisierung in Niedersachsen: Masterplan als umfassende Strategie

Im bundesdeutschen Vergleich hat Niedersachsen laut der IAB-Studie mit 26,8 Prozent einen hohen Anteil von Beschäftigten in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial.[4] Demnach besteht ein großer Handlungsbedarf für die Umschulung und Qualifizierung vieler Arbeitnehmer.

Für die Begleitung der digitalen Transformation hat das Land Niedersachsen eine umfassende Strategie entwickelt, zusammengefasst im „Masterplan Digitalisierung“. Für die Umsetzung werden bis 2022 bis zu eine Milliarde Euro aus Landesmitteln investiert. Die Strategie bezieht sich auf drei Kernaspekte[5]:

  1. Den Ausbau der digitalen Infrastruktur, insbesondere für die Branchen Automobilwirtschaft, die Landmaschinen- und Agrarindustrie sowie die Hafenwirtschaft.
  2. Die Digitalisierung der Wirtschaft, insbesondere im Mittelstand und Handwerk durch Digitalisierungsberatung und Förderprogramme.
  3. Die Digitalisierung der Gesellschaft, unter anderem durch digitale Bildung und eine breit gefächerte Fachkräfteinitiative.

Herausforderung Digitalisierung: Weiterbildung als Erfolgsrezept

Laut einer Prognose des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) wird sich die Arbeitswelt aufgrund des wirtschaftlichen und beruflichen Strukturwandels 2035 um über sieben Millionen Arbeitsplätze von der heutigen Arbeitswelt unterscheiden. Das BMAS schreibt der Bildung und Weiterbildung deshalb eine Schlüsselrolle zu.[6] Eine große Herausforderung ist hierbei die Vermeidung der sogenannten „digitalen Kluft“ (Digital Divide). Diese kann sowohl national als auch Digitalisierungglobal auf verschiedenen Ebenen entstehen, beispielsweise zwischen:

  • Wirtschaftlich starken und schwachen Nationen
  • Wirtschaftlich starken und schwachen Regionen innerhalb von Nationen
  • Großen und kleinen bzw. mittleren Unternehmen
  • Hoch und niedrig qualifizierten Arbeitnehmern
  • Jüngeren Arbeitnehmern als „Digital Natives“ und älteren Arbeitnehmern als „Digital Immigrants“

Mit dem Wandel der Kompetenzanforderungen für Berufe muss sich deshalb auch die deutsche Bildungslandschaft weiterentwickeln, um in Zukunft bedarfsgerechte Angebote für potenzielle und aktuelle Beschäftigte zu schaffen und so die deutsche Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich zu sichern.

Der Schlüssel zur Digitalisierung ist und bleibt der Mensch

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung zeigt: Sowohl fachliche als auch soziale Kompetenzen müssen neu erlernt werden. Denn ohne entsprechend qualifizierte Fachkräfte können die Chancen der Digitalisierung nicht voll ausgeschöpft werden. Der Mensch ist und bleibt die Schnittstelle zwischen Computern und computergesteuerten Maschinen, denn nur er kann die Transformation von analogen Informationen und Signalen in digitale Werte veranlassen, indem er neue Technologien passend programmiert, überwacht und weiterentwickelt. Ferner liegt es auch an ihm, die digital gewonnenen Daten wieder ins Analoge zu übersetzen, sprich zu interpretieren. Insofern kommt dem Menschen nach wie vor die gestaltende und somit entscheidende Rolle zu.

Der Ausgangspunkt für ein erfolgreiches Change-Management beginnt bereits im Kopf: Herkömmliche Denk- und Arbeitsweisen müssen hinterfragt werden, um unbekannte Probleme innovativ und kreativ lösen zu können. Digitalisierung umfasst mehr als nur die Auseinandersetzung mit neuen Technologien, sie erfordert auch die Anpassung des sogenannten „Mindsets“ und unserer Art des Lernens.

Digitalisierung und das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW)

Gesellschaftlichen Wandel zu unterstützen und mitzugestalten ist eine der Kernaufgaben des BNW. Vor über 50 Jahren gegründet und seitdem tief verwurzelt in der niedersächsischen Wirtschaft, richtet das BNW seine Arbeit an den verschiedenen demografischen Herausforderungen aus. Die Digitalisierung als gesellschaftlicher Einflussfaktor erfordert dabei nichts Geringeres als die Um- und Neuqualifizierung eines großen Teils der niedersächsischen Bevölkerung. Diese Herkulesaufgabe kann nur gelingen, wenn die beteiligten Akteure aus Politik, Wirtschaft und Arbeitsverwaltung ihre Kräfte bündeln und sich untereinander vernetzen. Es gilt, Qualifizierungsbedarfe bei Unternehmen und Beschäftigten zu ermitteln und passende Angebote zu entwickeln, um die neuen Herausforderungen zu meistern. Förderungs- und Beratungsmöglichkeiten müssen transparent gemacht werden, sodass sie dort ankommen, wo die Wirtschaft sie benötigt. Lernbegleiter wie das BNW stellen den Menschen in den Mittelpunkt, um ihn zu selbstorganisierter Handlungsfähigkeit zu bringen. Berücksichtigt wird dabei nicht nur die Kompetenzerweiterung in fachlichen, sondern auch in überfachlichen Aufgabenstellungen.

Den digitalen Wandel aktiv vorantreiben

Digitaler Strukturwandel, demografische Entwicklung – wir alle spüren die Auswirkungen dieser Trends. In vielen Branchen tritt der Fachkräftemangel bereits deutlich zutage.

Unternehmen stehen angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und der Entwicklung neuer Arbeitsformen vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen einerseits den Engpass an Experten mit technologischen Fähigkeiten bewältigen. Andererseits gilt es, in der neuen Arbeitswelt auch dem Großteil der übrigen Belegschaft neue digitale und nicht-digitale Schlüsselqualifikationen, sogenannte Future Skills, zu vermitteln. Diese beinhalten neue Formen der Zusammenarbeit genauso wie Basiskompetenzen zum Thema Datensicherheit. Es geht um die Voraussetzungen, die weitgehend selbstständiges Arbeiten ermöglichen und um die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen.

Unsere neuen Angebote setzen insbesondere an diesen neuen digitalen Schlüsselqualifikationen und nicht-digitalen Schlüsselqualifikationen an und holen Sie und Ihre Mitarbeitenden genau dort ab, wo Sie aktuell stehen. Gemeinsam mit Kooperations- und Projektpartnern aus der Praxis möchten wir Sie bei Ihrem unternehmerischen und zugleich auch persönlichen Wandel begleiten!

Unser komplettes Programm steht Ihnen auch als Inhouse-Angebot zur Verfügung – Sie erhalten ein maßgeschneidertes Inhouse-Training, bei dem wir den Inhalt, Termin und Ort abgestimmt auf Ihre Bedürfnisse und nach Ihren Wünschen gestalten.

Insbesondere das von der Bundesregierung beschlossene Qualifizierungschancengesetz eröffnet Unternehmen seit Januar 2019 deutlich größere Fördermöglichkeiten bei der Weiterbildung von Beschäftigten als bisher.

Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie gern hinsichtlich möglicher Förderprogramme.

Einladung: Virtuelles Dialogforum „Transformationslotse“11. März 2021, 13:00 – 14:30 Uhr

Die Projektpartner BNW und ARBEIT UND LEBEN laden Sie herzlich ein, die Qualifizierung für digitale Transformation und Veränderungsmanagement in Unternehmen kennenzulernen.